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Schulsport ohne Schmerzen

Seit gut drei Jahren werden Schulen im Rahmen der Qualitätsanalyse durchleuchtet. Jetzt liegt ein erster Bericht vor.

Tiefer Blick ins Innere:„Wir waren anfangs etwas skeptisch“, räumt Karl W. Schröder ein. Was nützt das? Wie viel zusätzliche Arbeit bringt es? Diese Fragen seien ihm und seinen Kollegen in den Sinn gekommen, nachdem sich die Prüfer an seiner Schule, dem Carl-Fuhlrott-Gymnasium in Wuppertal, angekündigt hatten, berichtet der Leiter. Angst davor, sich auf die Finger gucken zu lassen, hätten seine Lehrerinnen und Lehrer aber nicht gehabt. Dass es nicht darum geht, einzelne Pädagogen an den Pranger zu stellen, dies sei den Kollegen durchaus bewusst gewesen. Und was die Schule als Ganzes betriff t: „Wir wussten schon, wir haben etwas vorzuzeigen.“ Überrascht war Schröder dann doch über den Ablauf und das Ergebnis – positiv. Sicher, die erwartete Mehrarbeit habe es zumindest für die Schulleitung schon gegeben. Die hohe Professionalität der Prüfer und die Vielschichtigkeit der Analyse allerdings hätten ihn verblüfft. „Man bekommt eine Bilanz in einer Vollständigkeit, die sich im täglichen Geschäft nicht herstellen lässt. Beeindruckend.“

Insgesamt rund 1.400 Schulen in Nordrhein- Westfalen haben die 2006 eingeführte Qualitätsanalyse des Schulministeriums bereits durchlaufen. Bis 2013 sollen alle Schulen im Land begutachtet worden sein. Jetzt liegt ein erster Bericht vor. Danach zeigten sich 81 Prozent der Kollegien „voll zufrieden“ oder „zufrieden“ damit, wie die Qualitätsanalyse ablief – auch wenn die Mehrzahl den Aufwand für die Zusammenstellung der Daten und Dokumente für zu groß hielt. Durchschnittlich 79 Arbeitsstunden fielen dafür nach Angaben der Schulen jeweils an. Die Ergebnisse entschädigten aber off enbar für die Mühe: Rund 84 Prozent der Schulen stimmten „voll“ oder „eher“ zu, dass die jeweils drei- bis viertägige Qualitätsanalyse wichtige Impulse für die weitere Entwicklung geliefert habe.

QualitätsanalyseFolgende Trends lassen sich erkennen:

  • Die fachliche und didaktische Gestaltung des Unterrichts wird überwiegend positiv bewertet, wenngleich nur selten als „vorbildlich“, mit der Bestnote also.
  • Durchgängig positiv: eine in aller Regel hohe gegenseitige Wertschätzung von Schülern und Lehrern und ein angstfreies Unterrichtsklima.
  • Niveaudiff erenzierte Aufgabenstellungen, eine individuelle Refl exion und Möglichkeiten zur selbstständigen Arbeit konnten die Prüfer dagegen noch zu wenig im Unterricht beobachten.
  • Die Plenumsarbeit im Unterricht überwiegt vor allem an Gymnasien, während in Förder- und Grundschulen ein hoher Zeitanteil an Einzelarbeit beobachtet wurde. Partner- und Gruppenarbeit werden dagegen deutlich seltener praktiziert.
  • Die Führungsverantwortung der Schulleitung wurde bei knapp der Hälfte der Schulen mit Bestnote bewertet – bei nur 0,3 Prozent als „erheblich entwicklungsbedürftig“.
  • Bei der professionellen Teamarbeit in den Kollegien gibt es mitunter Defizite.
  • Alles in allem: „Die Ergebnisse der Qualitätsanalyse zeigen für die nordrhein-westfälischen Schulen, dass die Identifikation und die Zufriedenheit aller Beteiligten mit der eigenen Schule außerordentlich groß sind.“

Das gilt auch für Eltern, Schüler und Lehrer am Wuppertaler Carl-Fuhlrott-Gymnasium. Zur guten Stimmung dort hat die Qualitätsanalyse durchaus beigetragen. Nicht nur, weil die Ergebnisse hervorragend waren. Auch, wie Schulleiter Schröder betont, weil sich alle ernst genommen und wertgeschätzt gefühlt hätten: Zur Analyse gehören Gespräche mit allen Gruppen, die am Schulleben beteiligt sind. Schröder selbst hat durch die Qualitätsanalyse einen neuen Blick auf das System Schule gewonnen: „Vieles, was sonst im Verborgenen blüht, rückt in den Vordergrund. Dadurch wird einem selbst mal klar, was für eine umfangreiche und qualitätsvolle Arbeit wir hier leisten.“

ANDREJ PRIBOSCHEK

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