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Der König von St. Pauli

Fast-Lehrer Helmut Schulte, heute Sportchef beim FC St. Pauli, hat jahrelang den Nachwuchs in der Fußballschule Auf Schalke trainiert.

„Der Lange“ oder „Bananen-Schulte“ – wie so mancher Lehrer kann sich Helmut Schulte über mangelnde Spitznamen nicht beklagen. Lehrer wäre er auch fast geworden. Doch dann kam der Fußball dazwischen...

Weiß, wie junge Menschen zu motivieren sind:

Nach der Schule wollte der gebürtige Sauerländer „Hauptsache was mit Sport“ machen. Also nahm er an der Kölner Sporthochschule ein Studium auf, Nebenfach Biologie. 1984 war er fertiger Lehrer – doch eine Stelle fand er nicht. Daher nahm er eine ABM-Maßnahme des Arbeitsamts als Jugendtrainer beim FC St. Pauli an. Und so endete seine Karriere als Lehrer, noch bevor sie begonnen hatte. Statt jeden Tag im Klassenzimmer zu stehen, trainierte er nun nacheinander junge Fußballer bei St. Pauli (hier handelte er sich den „Bananen- Schulte“ ein, weil er während der Spiele Bananen von den eigenen Fans geschenkt bekam), Dynamo Dresden, FC Schalke 04 und VfB Lübeck.

In seiner Laufbahn hat der heute 52-Jährige viele Superlative belegt: Mit erst 30 Jahren wurde er jüngster Bundesligatrainer aller Zeiten, seine Journalisten-Karriere als Co-Moderator war mit nur drei Monaten die wohl kürzeste bei Sat 1 und mit 1,93 ist er auch der längste Trainer in dieser Szene. Außerdem überlebte er wie ein Wunder, als ihm während des Orkans Kyrill ein umstürzender Baum den zweiten Halswirbel brach.

Und mit Schule bekam Schulte dann doch noch viel zu tun: Er wurde 1998 Leiter der Nachwuchsabteilung beim FC Schalke in Gelsenkirchen und initiierte kurz darauf eine Kooperation mit der benachbarten Gesamtschule Berger Feld. Viele junge Fußballer von Schalke 04 fanden seitdem hier optimale Bedingungen vor: Der Stundenplan wurde so umgestrickt, dass die Spieler trainieren konnten, ohne Unterricht zu versäumen. Seitdem nutzten 80 Nachwuchsfußballer das Projekt, 26 von ihnen haben bereits den Sprung in den Profi -Bereich geschaff t – wie Manuel Neuer und Mesut Özil.

Was zählt im Umgang mit jungen Menschen? Schulte: „Das Wichtigste ist, dass man Verständnis für sie hat.“ Einen hohen Stellenwert misst er auch dem Sport bei. „Bewegung hat so große Auswirkungen auf das Lernen, gerade für Jungen, die einen besonderen Bewegungsdrang haben und Sport dringend als Ausgleich für geistiges Arbeiten brauchen.“ Bei seinen jungen Fußballern hat er immer wieder beobachtet, wie sehr Schule und Sport zusammenspielen: „Wer sich im Unterricht nicht konzentrieren kann, kann das beim Fußball auch nicht, wer in der Schule Probleme hat, trägt die auch mit auf den Platz“, weiß Schulte.

Die Sonderstellung, zur Schalker Nachwuchsabteilung zu gehören, hat einige Jungen auch übermütig gemacht. Sie meinten, sich mehr herausnehmen zu können, ließen das Lernen schleifen. „Aber da war ich knallhart: Wer sich in der Schule nicht konzentriert hat, nichts getan hat und, obwohl er es drauf hatte, deshalb keine guten Ergebnisse erzielte, den habe ich vom Training suspendiert.“

Motivation durch das, was ihnen am Herzen liegt – in diesem Fall der Fußball. Das funktioniert fast immer, wenn man dem ehemaligen Trainer Glauben schenken darf.

Schulte ist sich sicher: Man kann ein solches Projekt auch auf andere Schulen und Sportvereine übertragen. „Wenn sich das örtlich anbietet, wäre es dumm, das nicht zu nutzen – Sport und schulische Leistungen profi tieren wunderbar voneinander.“

Für diese Kombination ist Helmut Schulte jetzt nicht mehr zuständig, 2008 ist er als Sportchef zum FC St. Pauli zurückgekehrt. Jetzt gibt er seine Erfahrungen an die Trainer weiter und berät sie, wo es nötig ist. Aber „nah dran“ an Jugendlichen ist er trotzdem noch: Seine Kinder sind 14 und 18.

MARTINA PETERS

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