Ob Fahrradtour oder Wandern, Kanufahrt oder eine Städterallye – es kommt nicht nur auf den Erlebnisfaktor an, wenn es eine richtig gute Klassenfahrt werden soll. Nur wenn Sie es schaffen, Ihr eigenes pädagogisches und soziales Ziel als Lehrer und die Interessen der Schülerinnen und Schüler unter einen Hut zu bringen, sind alle zufrieden.

Zur Erinnerung und vielleicht auch noch mal als Argument für den Elternabend: Klassenfahrten sind keine Zeitverschwendung auf Kosten des Lernens und werden auch nicht „just for fun“ zur reinen Belustigung der Schüler unternommen. Sie sind vielmehr wichtiger Bestandteil des Schullebens und haben einen festen Platz im Bildungsund Erziehungsauftrag der Schule. Zu Recht, denn im Idealfall fördern sie sowohl den Zusammenhalt der Klasse oder des Jahrgangs und sind gleichzeitig nachhaltig, das heißt pädagogisch wertvoll. Doch wie schafft man das?
Gelungen ist die Klassenfahrt nicht unbedingt, wenn alle jeden Tag glücklich und zufrieden waren und keinerlei Probleme aufgetreten sind – auch wenn sich das die meisten Lehrer verständlicherweise insgeheim wünschen. Aber gerade wenn die Kinder auch psychische und physische Herausforderungen bestehen, wie Heimweh überwinden und Konflikte austragen, kann das für ihre persönliche Entwicklung und für die der Klassengemeinschaft von großer Bedeutung sein – und damit ein wichtiges Kriterium für eine gelungene Schulreise.
Überlegen Sie sich gut vorher, welches Ziel die Klassenfahrt hat: Das hängt unter anderem vom Alter der Schüler und vom Status der Klasse ab. Wenn eine Klasse gerade neu zusammen gekommen ist, ist es vor allem wichtig, dass sich bei der Klassenfahrt alle besser kennen lernen und dass die gemeinsame Reise den Zusammenhalt stärkt. Bei anderen, die sich vielleicht schon länger kennen, können es sportliche Aspekte sein, die die Klassenfahrt bestimmen oder das Sammeln von Grenzerfahrungen, vielleicht auch das umweltgerechte Verhalten im Umgang mit der Natur, das dann im Unterricht vor- und nachbereitet werden kann. In jedem Fall sollte die Klassenfahrt nicht in einer Aneinanderreihung von Programmpunkten bestehen, sondern einem konzeptionellen „roten Faden“ folgen.
Sinnvoll ist es immer, die gemeinsamen Erlebnisse nach der Fahrt nochmals zu reflektieren und in den Schulalltag zu tragen, sei es mit einer Dokumentation als Fotostory am Schwarzen Brett oder im Schaukasten, als kleinen Film für den nächsten Elternabend oder als Bericht in der Schülerzeitung.
Die große Chance einer gelungenen Klassenfahrt besteht darin, dass sie inhaltlich sinnvoll den Unterricht ergänzt, dass Lehrer und Schüler neue wertvolle Erfahrungen miteinander sammeln und den Blick aufeinander verändern. Das ist fast immer positiv für die Lernstimmung nach der Fahrt, wenn alle wieder gemeinsam im Klassenzimmer sitzen.
MARTINA PETERS
Broschüre: „Mit der Schulklasse sicher unterwegs“ (Hrsg.: Bundesverband der Unfallkassen – BUK, Bestell-Nr. 57.1.38 GUV-SI 8047)
Buch: „Klassenfahrten – kein Problem“ von Dieter Krowatschek, Borgmann Verlag, 20, 40 Euro