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Sprungbrett Schule

Zwei junge Männer steigen über die Schule ins Berufsleben ein – einer als Spitzen-Akademiker, der andere als Hausmeisterhelfer. Zwei Porträts.

Toni Kronke, Teilnehmer am Projekt „Teach First Deutschland“Die besten Uni-Absolventen als Aushilfslehrer an Problemschulen? Als Toni Kronke von dem Projekt „Teach First Deutschland“ in der Zeitung las, war er Feuer und Flamme: Der heute 31-Jährige hat Kulturwissenschaften in Deutschland, Portugal und Brasilien studiert. Weil er seine Zukunft in der Bildung sieht, erschien ihm ein Einstieg in der Schule als Chance, „an der Basis zu arbeiten“. Oder anders ausgedrückt: „als eine logische Stufe in meinem Werdegang“.

Seit Beginn des Schuljahres werden in Nordrhein-Westfalen 28 Hochschulabsolventen für zwei Jahre als Lehrkräfte auf Zeit an Haupt- und Gesamtschulen eingesetzt. Das Vorbild, „Teach First“, stammt aus den USA. Wer ein so genannter „Fellow“ in dem Projekt werden möchte, muss eine überdurchschnittliche akademische Leistung vorweisen können und persönliche Eignung unter Beweis stellen. Die Ausgewählten durchlaufen dann ein pädagogisches Qualifizierungsprogramm. Während des Einsatzes an den Schulen werden sie von der Initiative „Teach First Deutschland“ betreut und pädagogisch weiterqualifiziert. Das Land finanziert die Gehälter der „Fellows“ – diese erhalten monatlich 1. 700 Euro brutto.

Seit August nun arbeitet Kronke an einer Schule, der Felix- Metzmacher-Hauptschule in Langenfeld. Rheinland statt Rio. Kronke hilft, bei Schülern der Klassen 5 bis 7 die Unterrichtsinhalte zu vertiefen. Nicht als „Lückenfüller“, wie er betont, sondern zur Unterstützung des Kollegiums, „on top“ sozusagen. Außerdem trainiert er mit der Schulsozialpädagogin Schüler darin, die Hausaufgaben besser bewältigen und konzentrierter arbeiten zu können. Und – wie sind seine ersten Erfahrungen? „Schule ist wie ein ‚schwarzes Loch‘, in das man unendlich viel Energie reinstecken kann“, meint der Einsteiger. „Man muss lernen, sich auf Kernbereiche zu konzentrieren und konsequent zu sein.“ Klar, die Arbeit macht ihm Spaß. Er weiß jetzt aber auch: „Einfach ist das nicht.“

Niklas Schlömer, Helfer an einer Kölner Grundschule.Ohne ihn wäre Hausmeister Manfred Schüller momentan ganz schön aufgeschmissen: Da er einen Bandscheibenvorfall hat, ist die Unterstützung von Niklas Schlömer für ihn besonders wertvoll. Der 27-Jährige arbeitet seit einem Dreivierteljahr als Hausmeisterhelfer an der Katholischen Grundschule An den Kaulen in Köln-Worringen. „Ich bin glücklich, Niklas hier zu haben, er hilft mir bei allem, was anfällt“, sagt Schüller. Den Einsatz verdankt die Schule einem Modellprojekt. An zehn Kölner Schulen wird jungen Männern mit Behinderungen ermöglicht, sich als „Hausmeisterhelfer“ in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Niklas Schlömer besuchte nach Grund- und Hauptschule den Benediktushof in Maria Veen, ein Berufsbildungswerk für behinderte Menschen. Hier hatte er die Möglichkeit, sich zum Elektroinstallateur ausbilden zu lassen, brach diese Berufserprobung aber ab. „Das hab ich nicht geschafft und das war auch nichts für mich“, erinnert er sich. Außerdem hatte er Heimweh nach Köln.

„Ich bin zwar leicht lernbehindert“, sagt er von sich selbst, „aber ich wollte mich weiterentwickeln.“ Über die Gemeinnützigen Werkstätten Köln (GWK) wurde er an die Worringer Grundschule vermittelt – und hier fühlt er sich wohl. Die GWK, der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und die Stadt Köln haben Anfang 2009 das Modellprojekt aufgrund einer gemeinsamen Initiative mit dem Schulministerium ins Leben gerufen.

Niklas Schlömer ist jetzt an der Schule der „junge Mann für alles“. Er kümmert sich um die Milchbestellungen, zimmert Fußbänke für die Schüler oder hilft beim Ausmisten des Schulkellers. „Ich mach das gern hier, ich hab’ viel Kontakt zu den Lehrern, und auch mit den Kindern hab ich keine Probleme“, sagt er. Wenn er Manfred Schüller nicht unter die Arme greift, widmet er sich seinen Hobbys: dem Karneval und dem 1. FC Köln. Gründe, warum er unbedingt in Köln arbeiten wollte.

Martina Peters

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