Eins steht fest, die rasante Verbreitung des Internets hat in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem Paradigmenwechsel geführt und Informationsbeschaffung stark verändert. Lag die Herausforderung früher in einer zeit- und kostenintensiven Recherche, so stehen Informationen heute schnell und kostenlos zur Verfügung. Es existiert ein verwirrendes Angebot verschiedenster Informationsquellen, und nicht mehr die Beschaffung von Quellen sondern das Filtern, Auswählen und Bewerten ist die große Herausforderung.

„Wissen ist: zu wissen, wo es steht“, so spotten Schüler, wenn es darum geht, Hausaufgaben zu erledigen. Wikipedia ist inzwischen zur Hauptinformationsquelle geworden und durch „Copy & Paste“ ist die Hausarbeit schnell erledigt. Was die Schüler lieben, können Lehrer nicht leiden. Sie klagen darüber, dass sich Schüler Informationen oft nur zusammenkopieren, ohne kritisch mit den Inhalten umzugehen. Aber wer bringt ihnen diese Medienkompetenz bei, wenn zum Teil nicht einmal die Lehrer den Umgang mit den neuen Internetangeboten beherrschen? Pädagogen sollten wissen, Wikipedia zu verbieten ist der falsche Weg. Eher sollte man der Frage nachgehen, wie dieses Gemeinschaftsprojekt funktioniert, wo Schwächen sind und wie man die Informationen sinnvoll nutzen kann.
Der gemeinnützige Verein
Wikimedia
Deutschland
sieht sich
hier in der Verantwortung
und will zu einem
kritischen Umgang mit
freien Informationen anregen und dafür notwendige Fähigkeiten vermitteln.
Am Beispiel von Wikipedia soll der richtige
Umgang mit Internet-Quellen aufgezeigt werden.
Vom Verein durchgeführte Wikipedia-Aktionstage
an Schulen haben gezeigt, wie enorm hoch der Bedarf
ist. Ob ein Text im neutralen Stil verfasst ist,
Quellennachweise und Einzelbelege vorhanden
sind oder weiterführende Links hat, sind nur einige
Kriterien, mit denen Artikel bewertet werden können.
Während der Aktionstage wurden die Schüler
in die Lage versetzt, verschiedene Einträge in
der Wikipedia zu untersuchen und die Schwächen
selbst zu erkennen. Ziel von Wikimedia Deutschland
ist es, Schüler zum richtigen Lesen und Mitdenken
zu animieren. Es sind keine Werbeveranstaltungen
von Wikimedia – beliebt sind Projekte
wie Wikipedia ja bereits –, im Gegenteil: Aufklärung
steht im Vordergrund, denn so beliebt wie
die Wikipedia auch ist, die wenigsten wissen, wie
Artikel entstehen. Und noch weniger bekannt ist,
dass Wikipedia ausschließlich von Spenden und
freiwilliger Mitarbeit lebt.
Natürlich steht Wikipedia hier nur beispielhaft für alle Medien. Der kritische Umgang mit Informationen gilt selbstverständlich auch für Printmedien, einschließlich Schulbücher und Enzyklopädien. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass in einem 2007 veröffentlichten Vergleich zwischen Wikipedia und der Online-Ausgabe eines renommierten Nachschlagewerkes laut der Zeitschrift „Stern“ Wikipedia besser abschneiden soll?
(Quelle: stern 6.12.2007 / „Wie gut ist Wikipedia?“).
„Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens“ ist ein gemeinnütziger Verein, der sich ausschließlich über Spenden und freiwillige Mitarbeit finanziert.
Insgesamt sind mehr als zwölf Millionen Artikel in über 260 Sprachen in den Wikimedia-Projekten abrufbar. Zu ihnen gehört neben der Online-Enzyklopädie Wikipedia unter anderem auch Wikibooks, eine Sammlung kompletter Lehr- und Fachbücher.
Seit der Gründung von Wikipedia 2001 sind allein in der deutschsprachigen Ausgabe fast eine Million Artikel erschienen – ausgedruckt wären das 330 Bände mit jeweils 500 Seiten. Jeder Internetbenutzer kann Artikel nicht nur lesen, sondern auch bearbeiten.