Nahezu jeder Lehrer kennt sie: zappelige Schüler mit Konzentrationsstörungen. Immer häufiger diagnostizieren Ärzte bei Kindern und Jugendlichen das Aufmerksamkeits-Defizit- Hyperaktivitätssyndrom (ADHS). Mittlerweile ist es die bei Kindern und Jugendlichen am häufigsten diagnostizierte Störung. Laut Informationen der Kaufmännischen Krankenkasse Hannover leiden eine halbe Million Kinder in Deutschland unter ADHS. Jungen erkranken dreimal so häufig daran wie Mädchen.

Mediziner gehen von Stoffwechselstörungen im Frontalhirn der ADHS-Patienten aus. Psychologen sprechen hingegen eher von einer chronischen psychischen Erkrankung, die je nach familiären und sozialen Umständen milder oder ernster verläuft. Vielfach werden Betroffene mit Ritalin behandelt, einem Medikament, das Methylphenidat enthält. Der Wirkstoff erhöht die Konzentration von Botenstoffen im Hirn, die die Konzentrationsfähigkeit deutlich steigern. Nach Informationen des Magazins „Stern“ wurden 2008 rund 52 Millionen Tagesdosen Methylphenidat auf Rezept verordnet, Tendenz: steigend. Allerdings ist das Medikament, das in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, wegen möglicher Langzeitfolgen umstritten.
„Bei den meisten Kindern ist es nicht angezeigt, die Medikation in den Vordergrund zu stellen“, sagt Katrin de Buhr, Schulpsychologin der Stadt Bonn. Junge Menschen mit ADHS sollten mit einer Kombination aus unterschiedlichen Therapien behandelt werden, mit einem „multimodalen Therapieansatz“. Neben Verhaltenstherapie, Aufklärung und gezielter pädagogischer Förderung ist die medikamentöse Behandlung hierbei nur ein Weg, der bei einem schweren Krankheitsverlauf die eingeleiteten Therapien unterstützen kann. Ein multiprofessionelles Team, beispielsweise mit einem Kinder- und Jugendpsychiater, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Ergotherapeuten, Erzieher und Lehrer, sollte eng zusammenarbeiten.
Was können Pädagogen tun, wenn in ihrer Klasse
ein solcher „Zappelphilipp“ ist? Wie sollte die
Zusammenarbeit mit den Eltern konkret aussehen?
In den Elterngesprächen empfiehlt es sich,
so Frau de Buhr, über die Stärken der Kinder zu
sprechen – über alles, was schon gut läuft. Hilfreich
ist es, ein Mitteilungsheft anzulegen. Es dient als Grundlage
für Gespräche zwischen Lehrern und Eltern. Darin sollten
positive Entwicklungen und nicht ausschließlich problematisches
Verhalten aufgeschrieben werden. Außerdem sollte auf
die Kinder durch positiv verstärkende „Verhaltenspläne“ eingewirkt
werden, in denen ein bis höchstens drei Verhaltensziele
konkret formuliert und deren Umsetzung sowohl in der Schule
als auch zu Hause geübt und verstärkt werden. „Der Schlüssel
ist eine tragfähige Beziehung zwischen dem Kind und seinen
Bezugspersonen – schließlich ist dies der beste Zugang zu Kindern
mit ADHS“, betont die Schulpsychologin.
Arnd Zickgraf
Hier ist eine Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung herunterladbar, die einen guten Einblick ins Thema gibt: